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Julika Meyer

https://www.julika-meyer.com/





















Julika Meyer / CV



Born 1982 in Fürstenfeldbruck /  Germany




Education:



2008 - 2015 AdBK München (Academy of fine arts Munich)
       Fine art, sculpturing
       at Magdalena Jetelová and Gregor Schneider

since 2014 Masterstudent at Gregor Schneider

Diploma Febuary 2015


2004-2007 Deutsche Meisterschule für Mode,  (Designschool Munich)

       certified fashion and graphic designer


1999 – 2001 Fachoberschule für Gestaltung (College of Further            Education                        for Design)

Advanced technical certificate




work / exibitions:


2016 / Tilde / Empartolution / Künstlerforum / Bonn

2015 / Doing Time / Diploma degree show / AdBK Munichich
Das Jüngste Gericht / EasyUpstream Gallery / Munich

2014 /     Downtown / 5am / AdBK Munich
curation of the open spaces for the annual exhibition / AdBK Munich
2013 /   Das jüngste Gericht / HFF Munich (University of Television and Film)
7.8 / Institut für Glücksfindung/ Munich
LOWER YOUR EXPECTATIONS / AdBK annual Exhibition

2012 / Garaus / AABER ART Space / Munich
Im Grunde / annual Exhibition / AdBK Munich
Josef / Kunsthalle am Hamburger Platz / Berlin

2011 / Just in Time / BMW Factory / Regensburg
Abteilung I / Kunstherberge Birkenau / Munich
Gruzefix / Katholische Akademie in Bayern / Munich
Abteilung II / annual Exhibition /  AdBK Munich
Duck, u sucker! / annual Exhibition  /  AdBK Munich
Not for sale / Tbilisi State Academy of Arts /  Georgia
Dieser Mann ist mein Vater / Maximiliansforum / Munich

2010 / Keine die fort geht / Kunstmeile Mainburg / Mainburg
northern light / Gallerie 27, Kaywon school of art and design / Seoul
Kunstgruppe Jubelperser / Kammerspiele / Munich

2009 / Demmlmeir / documentary movie, assistant director / HFF Munich
showdown  /  annual exhibition / AdBK Munich
Serviervorschlag / Exposicoes Braco de Prata / Lisbon
Rette sich wer kann / Kunsthalle whiteBox / Munich

2008 / Tirana- München, so near so far /  Lothringer 13 / Munich

2007 / Bonus / annual degree show / Designschool Munich
Csongor und Tünde / costum and stage set / Feierwerk Munich

2006 / Somewear 2006 / fashionshow / Designschool Munich

2005 / Somewear 2005 / fashionshow / Designschool Munich






Prizes / Promotions



2013 / Funded by the Bavarian State Ministry for Science,
Research and Art for LOWER YOUR EXPECTATIONS

LfA cultural promotion for art book publication 7.8

2012 / LfA Art calendar for group work N.N.

Nominated for the AAber Award 2012

2011 / Funded by the Academy Club Munich for the project
„My other story“/ Maximiliansforum / Munich

Funded by the Department of Culture Munich for the project
„My other story“ /Maximiliansforum / Munich

1. Prize of the Academie club for
Abteilung II and Duck, u sucker! / annual degree show / AdBK Munich

Funded by the Academy Club Munich for the project Abteilung I





Tilde

mixed Media

Künstlerforum Bonn, 2016










How to draw artistic links between the megalopolis Cairo and the federal town Bonn,  despite their enormous differences? This question was the starting point for Julika Meyer's  research during her artist residency in Bonn as part of the Egyptian-German exhibition project EMPARTOLUTION. The artist from Munich found her answer in the flood. While the surge of the Rhine poses an annual threat to the citizens of Bonn, the Nile mud was of utmost importance for the fertility of the land until the construction of the Aswan dam, of which the now obsolete Nilometer in the Egyptian capital still bears witness. In a semantic inversion characteristic of Julika Meyer's works, referencing both abundance and water scarcity, the sandbags in her installation "Tilde" in the exhibition "Strom - stream - Magra" are filled with the element of menace, water from the Rhine, rather than the usual sand. The infinite loop of a female murmur announcing the water level refers to mythical water creatures such as sirens and mermaids.

Wo lassen sich, trotz ihrer gewaltigen Unterschiede, künstlerische Verbindungslinien zwischen der Megalopolis Kairo und der Bundesstadt Bonn ziehen?
Zu dieser Frage forschte die Münchner Künstlerin Julika Meyer während ihrer Künstlerresidenz in Bonn im Rahmen des ägyptisch-deutschen Ausstellungsprojekts EMPARTOLUTION. Sie fand eine Antwort im Hochwasser. Während für die Bonner Anwohner der über die Ufer tretende Rhein eine jährliche Bedrohung darstellt, war der Nilschlamm bis zum Bau des Staudamms in Assuan von größter Bedeutung für die Fruchtbarkeit des Landes, wovon bis heute das mittlerweile überflüssige Nilometer in der ägyptischen Hauptstadt zeugt.
In einer für Julika Meyers Arbeiten typischen semantischen Umkehrung, die sowohl Fülle als auch Wasserknappheit referiert, sind die Sandsäcke in ihrer Installation „Tilde“ in der Ausstellung „Strom – stream – Magra“ nicht wie gewöhnlich mit Sand, sondern mit dem Element der Bedrohung, dem Rheinwasser, gefüllt. Eine flüsternde Frauenstimme verkündet in einer Endlosschleife den Wasserpegel und nimmt damit Bezug auf sagenhafte Wassergeschöpfe wie Sirenen und Nixen.

Text: Sara-Duana Meyer




Doing Time

mixed Media

Academy of Fine Arts, Degreshow, 2015




Wide, white walls. Ceilings 8 meters high. Vast windows, that end above head hight, that only show the sky, cut in slices by bars.
The studio at the academy, which for many years gave room for work, talks, ideas or crises, is big enough to make you small sometimes.
A little like in jail – and exactly this is what “doing time” means: to be jailed.
The english term bears more, the contradiction of not only letting time pass but  rather the constant activity that is required to make it move on, although at the end, apart from the constant turning of the hamster wheel, not much has happened. Thus it‘s quite possible to see a gesture of resistance when Julika Meyer shrinks this stunting, time-sinking giant‘s room like a piece of clothing washed too hot, shrinks it into more human dimensions and thus deflates its functions of both confinement and refuge.
Like a trouser or a glove, she has turned the studio inside out, so the inner walls face outwards. Suddenly they inclose what used to be the space outside and evict what they used to hold together. Once more the sky is visible through the windows, but only as panoramic view from the highest point of the building.
The gaze into the model glides over the tree tops in the academy garden towards the open, clouds are floating above you, dusk, night falls, the next day comes. This is how freedom looks, you think, but strange that it is barred within the inaccessible cubic of the reversed studio model.
It is a tricky convolution of spaces and realities, which eventually even questions the position of the visitor. Like in a puzzle picture she sees herself inside and outside at the same time: enclosed and yet released into the open. It‘s up to her to start walking and see, where she‘ll arrive.

Weite, weiße Wände. Acht Meter hohe Decken. Riesige, noch über Kopfhöhe endende Fenster, durch die man nur den von Sprossen zerschnittenen Himmel sieht.
Das Akademieatelier, das einige Jahre lang Ort für Arbeit, für Gespräche, für Ideen oder für Krisen war, ist so groß, dass es einen kleinmachen kann.
Ein bisschen vielleicht wie ein Gefängnis – genau das heißt ja „Doing time“: im Knast sitzen.
Es schwingt in dem englischen Slangbegriff noch der ins Deutsche schwer übertragbare Widerspruch mit, dass man die Zeit nicht einfach verstreichen lässt, sondern es vielmehr ständiger Betriebsamkeit bedarf, sie herumzukriegen; auch wenn letzten Endes, vom Drehen des Hamsterrades abgesehen, nicht viel passiert ist. Man kann es also durchaus für eine Geste des Widerstands halten, wenn Julika Meyer diesen verzwergenden, zeitfressenden Riesenraum wie ein zu heiß gewaschenes Kleidungsstück auf menschlichere Dimensionen zusammenschrumpft und dabei seine Funktion – die des Einsperrens ebenso wie die des Bergens – ins Leere laufen lässt. Denn wie eine umgestülpte Hose oder einen Handschuh hat sie das Atelier auf links gedreht, sodass die Innenwände nach außen zeigen. Plötzlich schließen sie ein, was vorher der Außenraum war, und werfen ins Freie, was sie einmal zusammengehalten haben.
Durch die Fenster ist erneut der Himmel zu sehen, nun aber als Panoramaeinstellung vom höchsten Punkt des Gebäudes. Der Blick gleitet über die Baumwipfel des Akademiegartens in die offene Ferne, Wolken ziehen über einen hinweg, es wird Abend, es wird Nacht, es wird wieder Tag. So sieht die Freiheit aus, denkt man, aber seltsam, dass sie wiederum verriegelt ist im unbetretbaren Kubus des umgekehrten Modellateliers.
Es ist eine verzwickte Verschachtelung von Raum- und Realitätsebenen, die schließlich auch den Standort des Betrachters unsicher werden lässt. Wie in einem Vexierbild sieht er sich innen und außen zugleich: eingeschlossen und doch ins Weite entlassen. Es bleibt nur, loszugehen und zu sehen, wohin man damit kommt.

Text:Christian Hartard




downtown / 5am
mixed Media
Academie of fine Arts, Munich 2014





Der Mensch ist zum Stadtbewohner geworden, die städtische Struktur, das Prinzip Stadt haben sich eingeprägt in die menschliche Natur. Die Stadt als urbaner Organismus lebt und atmet, verlangt Aufmerksamkeit und Identifikation, zappelt, wächst und verwandelt sich in urbane Knotenpunkte im Netzwerk globaler Ströme, wird zum Vektor in Versuchen der Abbildung ihrer Gesetzmäßigkeiten.

Julika Meyers Arbeit fokussiert die Wahrnehmbarkeit des Urbanen. Ihre Stadtansicht spielt mit Dimensionalität, Textur und Identität: die Flachheit eines Bildes wird aufgebrochen, das Raumgefüge urbaner Agglomeration in einer Collage nachgestellt, deren Formen und optische Defizite vom Betrachter bereitwillig in ein sinnvolles Ganzes, eine Perspektive, eine Stadt gefügt werden. Eine Stadt, die in ihrer scheinbaren Einheitlichkeit erst bei genauerem Hinsehen die Frage stellt, ob sich Identität, das wo und wie eines Ortes, aus sichtbaren Strukturen ableiten lässt. Die hier entstandene Stadt birgt Seoul, Tbilisi, Kairo, Lissabon, atmet andere in ihren Formen, und bietet dem Betrachter wie einem Reisenden den Moment der Fremde aber auch des Wiedererkennens der Ankunft an einem neuen Ort.




“Der Katalog der Formen ist endlos: Solange nicht jede Form ihre Stadt
gefunden hat, werden immerfort neue Städte entstehen. Wo die Formen
ihre Variationen erschöpfen und sich auflösen, setzt das Ende der
Städte ein.”

„Städte wie Träume sind aus Wünschen und Ängsten gebaut, auch wenn der Faden ihrer Rede geheim ist, ihre Regeln absurd, ihre Perspektiven trügerisch sind und ein jedes Ding ein anderes verbirgt.“

Italo Calvino, Die Unsichtbaren Städte




LOWER YOUR EXPECTATIONS //
room/video-installation
Academie of fine Arts, Munich 2013
collaboration with Moritz Binder












Dignified halls. Long corridors. Superhuman proportions. The academy – built for giants.
The classroom of Gregor Schneider‘s students is the biggest in the building. Ceilings 8 meters high. Windows too high to look through. Dwarf perspective in the magnificent building.  A challenge to grow beyond oneself? What will expect you out there?
Julika Meyer and Moritz S. Binder play with expectations, dimensionality, fear of the future and the white rabbit of an artist career.
In the walk-in miniature model of the classroom, in a scale of 1:2,59 the feeling of being strangely misdimensioned recurs. The climb into the space/video-installation seemingly lets the visitor grow beyond herself, only to end in claustrophobic narrowness; transforms the visitor both into viewer and projection screen for insecurity and self doubt.
The installation “lower your expectations” was created in Professor Gregor Schneider‘s first year in Munich who generously provided the entire classroom for the work. “lower your expectations” was a cooperation between the academy of fine arts and the university for television and film Munich (HFF).



Ehrwürdige Hallen. Lange Gänge. Übermenschliche Größenverhältnisse. Die Akademie - gebaut für Giganten.
Das Klassenzimmer der Studenten von Gregor Schneider ist das Größte im Haus. Acht Meter hohe Decken.
Fenster aus denen man kaum schauen kann. Zwergenperspektive im Prachtbau.
Eine Herausforderung, über sich selbst hinaus zu wachsen? Was erwartet einen da draußen?

Julika Meyer und Moritz S. Binder spielen mit Erwartungshaltung, Größenverhältnissen, Zukunftsängsten und dem weißen Kaninchen der Künstlerkarriere.

Im begehbaren Miniaturformat des Klassenzimmers, im Maßstab 1:3,59 fühlt man sich erneut merkwürdig fehldimensioniert.
Der Aufstieg in die Raum/Video-Installation lässt den Besucher scheinbar über sich selbst hinauswachsen, um in klaustrophobischer Enge zu münden; verwandelt ihn zugleich in Betrachter und Projektionsfläche für Unsicherheit und Selbstzweifel.

Die Installation „lower your expectations“ entsteht im ersten Jahr von Professor Gregor Schneider in München, der dafür sein gesamtes Klassenzimmer zur Verfügung stellt. "lower your expectations“ ist eine offizielle Kooperation zwischen der Akademie der Bildenden Künste und der Hochschule für Fernsehen und Film.
Text:Sara-Duana Meyer






Im Grunde // Basically     // Bavarian Trilogy #3
PVC Pipes, pumping system, Beer, Beerglasses, Soundinstallation
Academie of fine Arts, Munich 2012














An impressive flight of steps leads up to the main entrance of the Academy of Fine Arts in Munich.
It‘s steps have been a site for developing ideas, for discussing works of art. And drinking beer, Munich‘s traditional, favorite drink. The staircase is built of massive stone, heavy, solid, an ideal base to think free, far and fair, in the Free State of Bavaria, in cozy, comfortable sociability.
Apparently? Going deeper the staircase is actually hollow, creating a negative space. A secret cave-like place, a non-place, where strange things happen.
Gurgling and swooshing can be heard in the pipes that run through the room that the hollow stairs form. The air is humid and muggy, in some places liquids drip from leaky pipes. A strange familiar scent in the air. Big jugs of glass have been set up to collect the dripping liquid. But it is not water, which flows through the pipe system in the belly of the academy. It is beer.
With her work, the artist Julika Meyer traces the basics of Bavarian identity, traditional concepts and the institution of the academy in the Free State of Bavaria. She climbs down into the belly of the academy on the search for fundamental truths and turns the space under the staircase into an eerie, stalactite cave of comfort to reveal the “secret supply system” of the Munich Academy of Fine Arts. 
Basically, it‘s always a bit different.


Der Weg in den Altbau der Akademie führt über eine imposante Freitreppe hinauf zum Haupteingang.
Ideen werden auf ihren Stufen entwickelt, Arbeiten besprochen. Und Bier getrunken, Münchens traditionsreiches Lieblingsgetränk. Es ist eine massive, steinerne Treppe, geradezu ideal, um darauf weit und leicht zu denken, im Freistaat Bayern, in aller Gemütlichkeit.
Scheinbar? Im Grunde nämlich ist die Treppe hohl, bildet ins Negativ gekehrt einen Raum. Ein geheimer, höhlenartiger Ort, ein Nicht-Ort, in dem Merkwürdiges geschieht.
Es gluckst und rauscht in den Rohren, die sich durch den Raum ziehen. Es ist feucht und stickig, an einigen Stellen tropft es aus undichten Rohren. Ein eigenartig vertrauter Geruch liegt in der Luft. Glaskrüge sind aufgestellt worden, um die Flüssigkeit einzufangen. Doch es ist nicht Wasser, was da durch das Rohrsystem der Akademie fließt. Es ist Bier.
Mit ihrer Arbeit geht die Künstlerin Julika Meyer den Dingen auf den Grund. Sie begibt sich im Bauch der Akademie auf die Suche nach fundamentalen Wahrheiten, indem sie den Raum unter der Freitreppe in eine unheimliche‚ Tropfsteinhöhle der Gemütlichkeit‘ verwandelt und damit das geheime Versorgungssystem der Münchner Akademie enthüllt. Im Grunde genommen ist es ja doch immer ein bisschen anders.
S.D.M.




Garaus // curfew     //  Bavarian Trilogy #2  
mirror, beer garden set, carpet, soundinstallation

former police station in munich, 2012

AAber Art Space









The original title “Garaus“ refers to an old Southern German term for the hour curfew.
A former office in an abandoned police headquarters in Munich is transformed into an interrogation room by artificial walls, a carpet, and a one-way mirror. The door drops shut once the visitor enters. Inside the door handle is missing, the only way to get out again is to knock or shout to be noticed, until someone opens the door from outside.

The light comes from bright, glaring neon lights on the ceiling, the floor is covered with gray carpet. The room is empty except for a beer garden set consisting of a table and two benches. In the back there is a large mirrored glass surface associated with interrogation situations. Also torture immediately comes to mind. This effect is further supported by the audio installation. From hidden speakers the Royal Bavarian Defiliermarch screams at ear-battering volume. The volume swells up and down, distorted brassy painful noise.
The work illustrates the tension between the Munich police and the residents of this city. On the one hand operates the executive power under often arbitrary rule, constantly monitors, controls and punishes. On the other hand we find an almost omnipresent call to constant cozy comfort and alcoholic excess.
The amount of brightness and the volume of the march music in the room are exactly as in an Oktoberfest tent. Even the beer benches are the same. But locked in a white room, observed through a mirrored window and especially without alcohol the whole situation turns into torture.
For me, this situation creates a distorting mirror of Munich, at the same time beautiful and terrible, cozy and agonizing.
Ein ehemaliger Büroraum in einem verlassenen Münchner Polizeipräsidium wurde durch künstliche Wände, Teppich, Beobachtungsspiegel in einen Verhörraum verwandelt. Hinter dem Besucher fällt die Tür ins Schloss. Er kann von selber nicht heraus gelangen, der Türgriff innen fehlt. Er muss sich durch klopfen oder rufen bemerkbar machen um den Raum zu verlassen.
Das Licht kommt von grellen, beissend hellen Neonröhren an der Decke, der Boden ist mit grauem Teppich bedeckt. Der Raum ist leer bis auf eine Biergartengarnitur, bestehend aus einem Tisch und zwei Bänken. Auf der Rückseite befindet sich eine große verspiegelte Glasfläche deren Anmutung man aus Verhörsituationen zu kennen meint. Auch an Folter denkt man sofort. Dieser Effekt wird noch durch die Audio Installation unterstützt. Aus versteckten Lautsprechern schallt ohrenbetäubend der Königlich Bayrische Defiliermarsch. In der Lautstärke auf und abschwellend und mit einem Dröhnen verstärkt.
Die Arbeit verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen der Münchner Polizei und den Bewohnern dieser Stadt. Das einer oft willkürlich operierenden Polizeistaatlichkeit die permanent beobachtet, kontrolliert und bestraft. Auf der anderen Seite eine schon fast omnipräsente Aufforderung zur ständigen Gemütlichkeit und alkoholischem Exzess.
Helligkeit und die Lautstärke der Marschmusik im Raum sind exakt wie in einem Oktoberfestzelt. Auch die Bierbänke sind die selben. Aber eigesperrt in einem weissen Raum, beobachtet durch ein verspiegeltes Fenster und vor allem ohne Alkohol verwandelt sich das ganze in Folter.
Für mich entsteht dadurch ein  Zerrspiegel Münchens, schön und schrecklich, gemütlich und quälend.
Der Begriff „Garaus“ ist ein alt Süddeutscher Begriff für die Polizeistunde b.z.w Sperrstunde.



Gruzefix // Crucifix   // Bavarian Trilogy #1
10 photos, 4c print

catholic academie in Bavaria, 2011
Groupexibit „Ausrichtung“








Since the crucifix decision of the Federal Constitutional Court in 1995, the so-called „Crucifix debate“ has struck high waves in politics, society, and the media, especially in catholic Bavaria.
The application of crucifixes in public buildings (including schools) was banned several times and again allowed with restrictions. In 95 the judges had abolished the directive for the application of crosses in classrooms in Bavarian elementary schools as unconstitutional since this regulation infringes the fundamental right to religious freedom and the secularism of the state.
In 2011, the European Court of Human Rights in Strasbourg stated that a Christian cross in the classroom of a state school violated the religious freedom of students. Parents would be deprived of the freedom to educate their children according to their philosophical beliefs. Students could easily interpret the cross as a religious sign - and especially the freedom to have no religion needed special protection. Hence the judges declared the application of crucifixes eventually as a violation of the European Convention on Human Rights.
However, the crosses have left traces and signs. As strong and unmistakable as the darkened wood that gives the exact outline of a cross taken down. Smudges on the wall from which the shadow of a crucifix emerges like a ghost or a spirit. But also delicate, unobtrusive marks of change such as poorly plastered holes or bent old nails and hooks in the usual places above the black board or the classroom door.
My work is about the disappearance of the church in our country. The traces are a sign of the void or vacuum that is left when something loses its symbolic power. An apparent empty sign, the presence of absence.
The title „Gruzefix“ refers to the Bavarian curse derived from the word crucifix and the work is the first part of my Bavarian trilogy (Gruzefix, Garaus, Im Grunde).

Seit dem Kruzifix-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1995 hat die sogenannte “Kruzifix Debatte“ grade im katholischen Bayern in Politik, Gesellschaft und Medien hohe Wellen geschlagen.
Die Hängung von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden (also auch Schulen) wurde mehrmals verboten und wieder mit Einschränkung erlaubt. Damals hatten die Karlsruher Richter die Vorschrift der bayerischen Volksschulordnung zum Anbringen von Kreuzen in Klassenzimmern als verfassungswidrig aufgehoben. Die Regelung verstoße gegen das Grundrecht auf Religionsfreiheit und die staatliche Neutralitätspflicht.
2011 urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, dass ein christliches Kreuz im Klassenzimmer einer Staatsschule die Religionsfreiheit der Schüler verletzt. Den Eltern werde die Freiheit genommen, ihre Kinder nach ihren philosophischen Überzeugungen zu erziehen. Die Schüler könnten das Kreuz leicht als religiöses Zeichen interpretieren - und die Freiheit, keiner Religion anzugehören, brauche besonderen Schutz. Deshalb stellten die Richter am Ende einen Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention fest.
Die nicht mehr hängenden Kreuze haben natürlich Spuren und Zeichen hinterlassen. Starke und eindrückliche wie das nachgedunkelte Holz, das die exakten Umrisse eines abgehängten Kreuzes frei gibt. Schmutzflecke die den Schatten eines Kruzifixes wie ein Gespenst oder einen Geist aus der Wand hervortreten lassen. Aber auch zarte, unauffällige Male des Wandels wie schlecht verputzte Bohrlöcher oder verbogene alte Nägel und Haken an den üblichen Stellen über der Tafel oder über der Klassenzimmertür.
Bei meiner Arbeit geht um das Verschwinden der Kirche in unserem Land. Die Spuren sind ein Zeichen der Leere oder des Vakuums, das zurück bleibt, wenn etwas seine Symbolkraft verliert.
Ein sichtbares Leeres Zeichen, eine Präsenz der Absenz.
Der Titel „Gruzefix“ bezieht sich auf den vom Wort Kruzifix abgeleiteten bayrischen Fluch und die Arbeit ist der erste Teil meiner bayrischen Trilogie ( Gruzefix, GARAUS, Im Grunde)



Abteilung I / section I  

ofice furniture, desc lamp with time clock, plaster
Kunst im Bau, , 2011
Kunstherberge Birkenau



collaboration with Frank Balve









In a run down house in the Birkenau in Munich a tiny room can be found next to the entrance, like in many other family houses. It is the former guest bathroom, visible from outside through a small frosted glass window. This space is transformed into an office, furnished with filing cabinets, a table, chair and typewriter. Then the door is closed by a wall and the room can only be viewed through the small window in the yard. The inside usually remains dark. Only now and then a briefly flashing light source allows a glimpse of the chamber. The purpose of the office remains open. However, the seclusion and the style of furniture can be interpreted in a variety of possibilities. It could be a space for espionage, for employees of the State Security, the Third Reich etc. That not every visitor actually discovers the space is part of the concept and highlights the secrecy of the artwork.

In einem Abrisshaus in der Birkenau in München befindet sich, wie in vielen Einfamilienhäusern, neben dem Eingang ein winziger Raum, die ehemalige Gästetoilette, von aussen durch ein schmales Milchglasfenster einzusehen. Dieser Raum wird zu einem Büro umgestaltet, eingerichtet mit Aktenschränken, Tisch, Stuhl und Schreibmaschine. Danach wird der Zugang mit einer Wand verschlossen und der Raum ist nur noch durch das kleines Fenster im Hof einsehbar. Im Inneren bleibt es meist dunkel. Nur ab und zu lässt eine kurz aufleuchtende Lichtquelle einen flüchtigen Blick auf die Kammer zu. Der Bürozweck bleibt offen. Jedoch lassen die Verborgenheit und die Art der Möbel vielfältige Assoziationen zu. Es könnte sich z.B. um einen Raum für Spionage, für Mitarbeiter der Staatssicherheit, des Dritten Reiches oder anderes handeln. Dass nicht jeder Besucher den Raum entdeckt, ist Teil des Konzeptes und unterstreicht das Geheimnisvolle der Arbeit.


Abteilung II / section II

8 cubicmeter space, office furniture, desk lamp, plexiglass
academie of fine arts, munich 2011

collaboration with Frank Balve










Abteilung II / section II



The successive work to section I was implemented in the garden of the Academy of Fine Arts in Munich. Here a hidden, subterranean office was established. The room is fully equipped with stationary and furniture for an office but only visually accessible from above through a plexiglass pane. The desk lamp illuminates the space. Again, the possibility of “overlooking/missing“ the work plays an important role.
The office remained in location for 5 months and was opened by us two times to document the decay during this period.
At the end of November 2011, the office was finally closed by filling the hole up. The entire facility stayed in the hole.

Die Nachfolgearbeit zu Abteilung I befindet sich im Garten der AdBK München. Hier wurde ein verstecktes, unterirdisches Büro eingerichtet. Der Raum ist voll ausgestattet mit Büroinventar und nur durch eine Plexiglasscheibe von oben einsehbar. Beleuchtet ist der Raum über die Schreibtischlampe. Auch hier spielt das „übersehen“ der Arbeit eine wichtige Rolle.
Das Büro blieb über 5 Monate erhalten und wurde von uns zweimal geöffnet, um während dieser Zeit den Verfall zu dokumentieren.
Ende November 2011 wurde das Büro endgültig geschlossen, beziehungsweise zugeschüttet. Die komplette Einrichtung blieb im Loch.




Duck u sucker!

sandbags, excavating from section II
Academie of fine Arts, Munich 2011

collaboration with Moritz Binder
1.Preis des Akademievereins 2011







The excavated earth from the hole of section II was filled in sandbags and stacked in the atelier in front of the floor-to-ceiling windows.
Through a pair of binoculars you could watch the outside world, or the “enemy”. It is interesting to observe how scary something that is supposed to stand for safety can become.

Der Aushub aus dem Baggerloch von Abteilung II wurde in Sandsäcke gefüllt und im Klassenzimmer vor die deckenhohen Fenster gestapelt.
Durch ein Fernglas konnte man die Aussenwelt, oder den “Feind” beobachten. Interessant ist dabei zu sehen, wie beängstigend etwas wirken kann, das eigentlich für Sicherheit stehen soll.




Just in time

surveillance camera, arable, beamer
BMW factory Regensburg, 2011
Permanent Installation








At BMW, every 58 seconds a car rolls off the conveyer belt.
The machines, treadmills and people are day and night in motion. Each working step is linked to the next.
Everything is planned down to the last second. Just in Time.
In the production hall, a 300 X 160 cm big screen was mounted on the wall. Here a live stream can be seen. A patch of acre from above, filmed by a surveillance camera. 24 hours a day, 7 days a week, for 12 months.
An almost abstract image. Brown earth, holdup, nothing happens.
Only after weeks, months, the first tender green tips of individual plants show. Significant changes can be detected only after a longer time. Nevertheless this slow, unhurried process bears the original form of the energy of life. Just in Time. Stronger and more powerful than human-produced technology.
The work was installed in September 2011 and has since been in continuous operation.
Bei BMW läuft alle 58 Sekunden ein Auto vom Band.


Die Maschinen, Laufbänder und Menschen sind Tag und Nacht in Bewegung. Jeder Arbeitsschritt greift in den anderen.
Alles ist bis auf die Sekunde geplant. Just in Time.
In der Fertigungshalle wurde an der Wand eine 300 X 160 cm große Leinwand angebracht. Auf dieser ist ein 24h Livestream zu sehen. Ein Acker von oben, gefilmt von einer Überwachungskamera. 24 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche, 12 Monate lang.
Ein fast abstraktes Bild. Braune Erde, Stillstand, nichts passiert.
Erst nach Wochen, Monaten zeigen sich die ersten grünen Spitzen vereinzelter Pflanzen. Deutliche Veränderungen lassen sich erst nach längerer Zeit feststellen. Trotzdem steckt in diesem langsamen, unaufgeregten Prozess die Urform aller Energie des Lebens. Just in Time. Stärker und kraftvoller als vom Menschen produzierte Technik.
Die Arbeit wurde im September 2011 installiert und ist seitdem in Dauerbetrieb.





Keine die fort geht / not one who goes away

installation, documentation
Kunstmeile Mainburg, 2010




Audio and video recordings of an 88 year old woman, who was born and lived all her live in the town of Mainburg in Bavaria.
Her stories were collected by me in personal interviews and then placed as an installation in text form in specific locations in the town. There were very long texts that I attached to a bridge railing, but also short concise proverbs and wisdoms, typical of the Bavarian dialect and the region of the Holledau. For me, the lady functions as a time witness or time capsule of the place. By recycling her story, and thus the history of the town into the physical city center, a circle closes.

Audio- und Video-Aufzeichnungen einer in Mainburg geborenen und lebenden 88jährigen Frau.
Ihre Erzählungen wurden von mir in persönlichen Interviews gesammelt und dann als Installation in Textform im Ort platziert. Dabei gab es sehr lange Texte, die ich z.B auf ein Brückengeländer angebracht habe. Aber auch kurze prägnante Sprüche und Weisheiten, die typisch sind für die bayrische Sprache und den Dialekt der Holledau. Für mich fungiert die Dame als  Zeitzeugin oder Zeitkapsel des Ortes. Durch die Rückführung ihrer Geschichte und somit auch der Geschichte der Stadt in den Ortskern schliesst sich der Kreis.





"Rette sich wer kann"
WhiteBox München, 2009
Gruppenarbeit







not for sale

display case, gold leaf
State Academie of Art, Tiblissi, Georgia, 2011





An old display case, found at the scrap market in Tiblissi, Georgia, was covered with gold leaf on the display surface. Placed in a brick arch in the courtyard of the State Academy of Art, the installation appears like an icon shrine.
The work is a metaphor for the situation of the people of Georgia. Of course, empty shelves or display cabinets are for residents of former Eastern Bloc countries a well-known image. The stark contrast, however, between the bitter poverty and absence of any material wealth and the deep immaterial values of the Georgian people, such as family, tradition, religion, is impressive. These values are symbolized by the precious leaf gilding inside. Which, however, can neither be touched, nor taken away nor eaten.

Eine auf dem Schrottmarkt in Tiblissi, Georgien gefundene alte Verkaufsvitrine wurde auf der Auslagefläche mit Blattgold verkleidet. Platziert in einem Backsteinrundbogen im Hof der staatlichen Kunstakademie, wirkt die Installation wie ein Ikonenschrein.
Die Arbeit ist ein Sinnbild für die Situation der Menschen in Georgien. Die leeren Regale oder Verkaufsvitrinen sind für Bewohner ehemaliger Ostblockstaaten natürlich ein bekanntes Bild. Hier ergibt sich ein starker Kontrast aus der bitteren Armut und der Abwesenheit von jeglichem materiellem Reichtum und den tiefen immateriellem Wertigkeiten des georgischen Volkes, wie Familie, Tradition, Religion. Diese sind symbolisiert durch die weltvolle Vergoldung im Inneren. Die allerdings, kann man weder anfassen noch mitnehmen, noch essen.




northern light

Installation

Galerie 27, Kaywon school of art and design, Seoul, 2010








The typical south korean heating ventilators were mounted above the entrance of a gallery in Seoul in 8 meters hight pointing north. The heaters were in continuous operation, which is of course a completely pointless energy expenditure, especially since the devices were hung so high that they couldn‘t warm anyone, but rather functioned as a symbolic light signal towards the north.

Die für Südkorea typischen Heizventilatoren wurden über dem Eingang einer Galerie in Seoul in 8 Meter Höhe nach Norden ausgerichtet. Die Heizgeräte waren im Dauerbetrieb, was natürlich ein völlig sinnloser Energieaufwand ist, vor allem da die Geräte so hoch gehängt waren, dass sie niemanden wärmen konnten, sondern eher wir ein Leuchtsignal Richtung Norden strahlten.





Serviervorschlag / Serving suggestion


Installation,

Exposicoes Braco de Prata, Lisbon, 2009

collaboration with Susi Gelb






In a courtyard on the grounds of a former weapon factory in Lisbon two exemplary facades can be found built up against the protection wall to the street, presenting a wall of windows and a porch. The extreme modular sobriety of the design seems like a foreign object in the spent, lively and demised factory site. A closer inspection reveals that the objects are pure presentation scenes that have no spatial depth and thus are completely uninhabitable.
Upon research we found out that we were facing ten-year-old relics of a failed project by the famous architect Renzo Piano, in which the entire area should be transformed into a luxury condominium. Of the massive plans only these two by now run down and shabby exemplary facades remained, which served as storage space for old machines and cat shelter when we discovered them. The two facades were cleaned, renovated and partially rebuilt by us so that it was now possible to actually live in the interiors. Also, even the unchanged two-dimensional flat facades achieved a sudden homely atmosphere through lighting and suggested a certain spatial depth.

Auf dem Gelände der ehemaligen Lissabonner Waffenfabrik befinden sich im Innenhof an der Schutzmauer zur Straße zwei Musterfassaden, die eine Fensterfront und eine Veranda präsentieren. Die extreme, modulare Sachlichkeit des Designs wirkt wie ein Fremdkörper in dem verlebten, belebten und abgelebten Gelände der Fabrik. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass es sich bei den Objekten um reine Präsentationskulissen handelt, die keinerlei Tiefenraum besitzen und somit komplett unbewohnbar sind.
Unsere Nachforschungen ergeben, dass es sich um Relikte eines gescheiterten, ca. zehn Jahre alten Projektes des Stararchitekten Renzo Piano handelt, bei dem das gesamte Gelände in eine Luxuswohnanlage umgewandelt werden sollte. Von den großen Plänen blieben nur diese zwei mittlerweile sehr heruntergekommenen Fassadenmuster übrig, die als Abstellplatz für alte Maschinen und Katzenunterschlupf dienen. Die zwei Musterfassaden wurden von uns geputzt, renoviert und teilweise so umgebaut das man in den nun beleuchteten Innenräumen wirklich wohnen könnte. Auch die noch flachen Fassaden wirken durch das Licht plötzlich wohnlich und suggerieren eine gewisse räumliche Tiefe.







Julika Meyer  


Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München
ab 2008. Klasse Schneider.

Letzte Aktualisierung dieser Seite
am 28.03.2017.


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